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Bundesweite Spitzenposition in Sachen Jugendhilfe

Die Jugendhilfe des Kreises Nordfriesland ist bundesweit Spitze. Das sagt nicht irgendwer, sondern Wolfgang Hinte, Professor an der Universität Duisburg-Essen. Er gilt bundesweit als anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Jugendhilfe.

Über das Lob freuen sich Landrat Dr. Olaf Bastian und seine Mitarbeiter aus dem Amt für Jugend, Familie und Soziales. Dabei gab es in Nordfriesland noch vor wenigen Jahren die gleichen Probleme wie in vielen anderen Kreisen in Deutschland: Jugendhilfemaßnahmen wie Heimaufenthalte oder spezielle Betreuungsmaßnahmen erstreckten sich über sehr lange Zeiträume, und die Kosten liefen Jahr für Jahr stärker aus dem Ruder. Dadurch fehlte am Ende das Geld für vorbeugende Maßnahmen wie gemeindliche Jugendtreffs, die dafür sorgen sollten, dass gar nicht erst so viele Jugendhilfefälle entstanden.

»Den ersten Ansatz, aus diesem Teufelskreis auszubrechen, fanden wir, als wir uns 1999 mit den Beschäftigten unseres Allgemeinen Sozialen Dienstes in einem Workshop gemeinsam Gedanken machten«, berichtet Biggi Stephan. Sie ist innerhalb des Amtes für die Jugendhilfe verantwortlich. In mehrjähriger Arbeit wurde die nordfriesische Ausprägung des Konzeptes zur »sozialräumlich orientierten Jugendhilfe« entworfen. Auch Professor Hinte beteiligte sich mit beratender Stimme. Vorgaben kamen vom Jugendhilfeausschuss des Kreises, der großen Wert auf vorbeugende Maßnahmen und auf die Stärkung der Eltern legte, damit sie ihre Erziehungsaufgaben erfüllen können.

»Wenn früher jemand mit einem Problem zu uns kam, haben wir geguckt, welches Angebot aus unserem Katalog von Hilfemaßnahmen wohl am besten passen würde«, erinnert sich Biggi Stephan. »Heute versuchen wir erst einmal, gemeinsam mit den Betroffenen herauszufinden, welche Ziele sie überhaupt in ihrem Leben haben und wie sie diese erreichen können. Das ist ein breiterer Ansatz, der nicht nur den einzelnen Menschen ernster nimmt, sondern auch sein ganzes soziales Umfeld einbezieht, also Familie, Freunde, Schule – selbst Vereine und Nachbarn können manchmal mithelfen.«

Die speziell ausgebildeten Mitarbeiter des Kreises unterstützen eine Familie bei der Definition der Lebensziele jedes Einzelnen und helfen ihnen, Schritte zur Verwirklichung zu formulieren. Ein Beispiel: Eine Mutter will ihren Schulabschluss nachholen, und eine Tante kümmert sich bis dahin nachmittags verstärkt um die achtjährige Tochter, damit die Mutter zuhause Ruhe zum Lernen hat.

»Das hört sich vielleicht nach einer einfach zu findenden Lösung an. Doch wenn die Situation einer Familie sich durch ständige Reibereien erst einmal so zugespitzt hat, dass eine vernünftige Kommunikation kaum noch möglich ist, braucht man eben manchmal professionelle Helfer, um überhaupt darauf zu kommen«, verdeutlicht Hinte.
Eines der großen Ziele des Kreises Nordfriesland ist die Stärkung der Familien. Selbst wenn in seltenen Fällen extreme Maßnahmen wie die befristete Einweisung von Kindern in ein Heim erforderlich sind, soll der Kontakt zwischen Eltern und Kindern nicht abreißen: »Manche Eltern brauchen einfach ein paar Monate Ruhe, um zum Beispiel eine Lebenskrise durchzustehen. Dann wählen alle Beteiligten gemeinsam ein Kinderheim in der Nähe des Wohnortes aus«, erläutert Biggi Stephan. »So haben die Eltern immer noch die Möglichkeit, den Kindern täglich bei den Hausaufgaben zu helfen oder sie bei Arztbesuchen zu begleiten.«

Wurden früher Heime oder andere Träger der Jugendhilfe mit Maßnahmen beauftragt, lohnte es sich für sie, die Hilfe möglichst lange dauern zu lassen: Je langwieriger die Maßnahme war, desto mehr Geld kam in die Kasse. Heute wird zielorientiert gearbeitet. Die Geldmittel für die »Hilfen zur Erziehung« sind budgetiert. Je schneller eine Maßnahme erfolgreich beendet wird, desto mehr lohnt sie sich für den Träger. Einen Teil der eingesparten Kosten zahlt er dem Kreis zurück, doch der Rest bleibt ihm für eigene vorbeugende Maßnahmen. Ihr Zweck ist es, einzelfallbezogene Hilfen zur Erziehung künftig zu vermeiden, weil bereits im Vorfeld geholfen wird.

»Dass das System funktioniert, sehen wir daran, dass die Zahl der sogenannten fallvermeidenden Projekte inzwischen steigt – bei gleichbleibendem Gesamtbudget. Wir holen aus den vorhandenen Mitteln also mehr heraus«, rechnet Biggi Stephan vor.

Ans Ausruhen denken sie und ihre Kollegen trotzdem nicht: »Nach anfänglichen Diskussionen besteht inzwischen zwar ein breiter Konsens darüber, dass der eingeschlagene Weg richtig ist, aber im Detail gibt es aber immer noch vieles, was wir weiter entwickeln müssen – zum Beispiel wollen wir zukünftig noch intensiver versuchen, auch hilfsbereite Menschen einzubinden, die nicht direkt zur betroffenen Familie gehören.«

Wolfgang Hinte bereitet es große Freude, seine Theorien im wirklichen Leben bestätigt zu sehen: »Die Menschen, die sich an die Jugendhilfe wenden, erhalten hier in Nordfriesland schnelle und professionelle Unterstützung, ohne dass ihnen die Verantwortung für ihr eigenes Leben abgenommen wird. Gleichzeitig steigt die Qualität der Hilfe und das alles bei gleichbleibenden
Kosten – mehr«, findet er, »kann man nicht verlangen.«

 

Pressemitteilung Kreis Nordfriesland v. 16.2. 2005

 

Autor: Hans-Martin Slopianka, 016.02.2005
Quelle: Amt für Jugend, Familie und Soziales

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