Nordfriesland: Die Situation von Kindern und jungen Menschen bereitet große Sorgen

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(CIS-intern) – „Gut ist die Situation für Kinder und Jugendliche derzeit nicht“, resümiert Svend Goldenbaum. Der Jugendpfleger des Kreises Nordfriesland beruft sich dabei auf die Aussagen der Fachkräfte vor Ort. In einer Online-Konferenz hat er sich mit Orte Schruwe-Nissen, die die Geschäftsstelle des Kreisjugendringes leitet, und vielen Leitungen der Mädchentreffs und Jugendzentren im Kreisgebiet ausgetauscht.

Foto: von ambermb auf Pixabay

Die Bedeutung dieser Einrichtungen hat während der Corona-Pandemie noch zugenommen. „Für Kinder und junge Menschen von sieben bis 27 Jahren sind sie ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Hier knüpfen sie Kontakte, haben einen festen Anlaufpunkt, um Probleme mit Fachleuten zu besprechen, und lernen, wie sie ihre Umwelt mitgestalten können“, erklärt Sandra Grams vom Mädchenzentrum in Husum.

 

All das ist seit langer Zeit, abhängig von den jeweiligen Lockdown-Regeln, nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Gleichzeitig fehlen Schulunterricht und Freizeitangebote als entscheidende Grundlage für die Entwicklung sozialer Kompetenzen.

 

Svend Goldenbaum erläutert, dass die Einrichtungen der offenen Kinder und Jugendarbeit rechtlich zu den außerschulischen Bildungseinrichtungen und zur Kinder- und Jugendhilfe gehören. Deshalb schränken die für diesen Bereich geltenden Hygienevorschriften auch die Möglichkeiten der Jugendzentren ein. Monatelang durften ihre Angebote ausschließlich im persönlichen Einzelkontakt oder digital stattfinden. Zwar ist die Arbeit mittlerweile wieder in festen Gruppenkonstellationen mit bis zu zehn Teilnehmern in Innenräumen erlaubt, aber das reicht nicht aus.

 

„Sehr viele junge Menschen äußern Wut und Enttäuschung darüber, dass ihnen ihr Raum sozusagen weggenommen wurde. Ihnen fehlen der Kontakt zu anderen, der reale Austausch und die Unterstützung sehr. Die Folge sind Ängste und Frustration“, berichtet Svend Goldenbaum. Vielen jungen Menschen falle es schwer, zu Hause digital ohne Gleichaltrige zu lernen. Oft mangele es dafür auch an Platz, Ruhe, Ausstattung und Unterstützung der Familie.

 

Orte Schruwe-Nissen stellt fest, dass Jugendliche immer häufiger von emotionaler Ermüdung und dem fehlenden Spaß am normalen Leben sprechen. „Viele Kinder und Jugendliche machen sich Gedanke über die Folgen der Pandemie für Familie und Gesellschaft – oft mehr als die Erwachsenen. Manche geben auch auf und finden sich frustriert mit der Situation ab“, hat sie beobachte. Umso mehr sollten die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeiten der Lockerungen erkennen und nutzen, um sich wieder in Jugendclubs und Vereinen mit Gleichaltrigen zu treffen.

 

Jugendpfleger Goldenbaum erinnert an den rechtlichen Rahmen: Auch für Heranwachsende gilt der Schutzauftrag der Jugendhilfe, der eine Kindeswohlgefährdung ausschließen muss. „Das ist ein hartes Wort, bei dem man meist eher an Gewalt denkt. Doch auch die derzeitigen Einschränkungen des sozialen Lebens führen eindeutig zu einer Gefährdung des Kindeswohls“, betont er.

 

Alle Verantwortlichen arbeiten mit Hochdruck an neuen Möglichkeiten und finden kreative Lösungen, um den Kontakt zu den jungen Menschen zu halten. Doch so recht zufrieden ist damit niemand – am wenigsten die Jugendlichen. Sie spüren täglich, dass die Problematik der geschlossenen Jugendtreffs keine hohe Priorität hatte. Ihre Erwartungen an die weitere Öffnung der Jugendeinrichtungen sind hoch.

 

„Jungen Menschen liegen die gesundheitliche Versorgung, die Schule und die Familie am Herzen. Doch sie müssen auch die Möglichkeit haben, sich selbst zu finden, sich auszuprobieren. Sie haben ihre eigenen Fragen, Sorgen, Vorstellungen und Ängste. Dafür benötigen sie Annahme, Bestätigung und Räume. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, dass sie sich gesehen fühlen und auch gesehen werden, dass sie nach ihrer Meinung gefragt werden und die Situation mitbestimmen können“, fasst Orte Schruwe-Nissen zusammen.

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