Kreis Nordfriesland: Corona: Wie die kommunale Familie Krisenarbeit leistet

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(CIS-intern) – Seit dem Beginn der Corona-Krise gingen mehr als 2.000 Kommentare auf der Facebookseite des Kreises Nordfriesland ein. »Es sind vor allem Fragen und Hinweise, aber erfreulicherweise werden unsere Kolleginnen und Kollegen, die sich um die Seite kümmern, auch sehr häufig gelobt«, freut sich Landrat Florian Lorenzen.

Foto: Screenshot Facebook

Je nach Lebenslage der Schreibenden berühren die Kommentare etliche Themenfelder; einige Beispiele: Sollte wirklich jeder mit Erkältungsanzeichen bei der 116117 anrufen, auch ohne Kontakt in die Risikogebiete? Wo können Freiberufler eine Unterstützung beantragen, wenn durch Corona Aufträge ausbleiben? Warum wird nicht jeder mit Erkältungssymptomen auf Corona getestet? Ich habe im April Urlaub gebucht – darf ich anreisen? Ich darf nur mit negativem Corona-Nachweis wieder arbeiten. Was soll ich meinem Arbeitgeber sagen?

In der Frühschicht von 7:30 bis 15 Uhr arbeiten drei Mitglieder der Kreisverwaltung die Fragen ab, in der Spätschicht bis 22:30 Uhr sind es zwei bis drei. Der Social Media-Manager des Kreises, Brian Zube, hat einen Dienstplan aufgestellt und von Beginn an darauf geachtet, häufig gestellte Fragen und ihre Antworten in einer elektronischen Liste zu sammeln, auf die alle Beteiligten zugreifen können.

Diese Liste hat die Verwaltung unter https://www.nordfriesland.de/faq-corona auch ins Internet gestellt. »So hoffen wir, das Aufkommen ein bisschen zu senken, weil viele ihre Antworten schon dort finden«, erklärt Zube. »Außerdem kann auch unsere telefonische Corona-Hotline auf die Liste zugreifen. Da arbeiten wir Hand in Hand und fügen auch alle zusammen immer wieder neue Themen hinzu.«

Bisher erreichte die Facebookseite des Kreises mit ihren täglichen Beiträgen rund 48.000 Menschen pro Monat. »Mittlerweile sind es 47.000 – pro Tag«, sagt Brian Zube. Doch freuen kann er sich darüber nicht: »Ohne die Pandemie würden wir uns alle wohler fühlen.«

Landrat Florian Lorenzen ist nicht nur mit seiner Facebook-Truppe zufrieden, sondern hebt auch die spontan gebildeten Facebook-Gruppen hervor, über die Privatleute die Nachbarschaftshilfe organisieren. »Ich finde es toll, wie die Bevölkerung unseres Kreises zusammenhält und wie hoch die Bereitschaft ist, selbst mit anzupacken. Auch aus der Verwaltung haben sich bereits 50 Beschäftigte bereit erklärt, eine Rolle im Krisenstab zu übernehmen.«

Die aktuelle Corona-Statistik des Kreis-Gesundheitsamtes verzeichnet 16 Infektionen – die meisten auf dem Festland, aber auch auf den Inseln gibt es fünf bestätigte Corona-Fälle und 29 Menschen in Quarantäne. Insgesamt befinden sich 191 Verdachtsfälle in häuslicher Absonderung, die einmal täglich vom Kreis angerufen werden, um nach ihrem Befinden zu fragen. Zwei der Erkrankten werden im Westküstenklinikum in Heide betreut.

Ein Erfolg war das am 16. März vom Kreis verhängte Betretungsverbot für die Inseln und Halligen. »Das verdanken wir vor allem den Kontrollen, die die Landes- und die Bundespolizei sowie die örtlichen Ordnungsbehörden auf unsere Bitte hin durchgeführt haben«, ist Florian Lorenzen bewusst. Am Freitag (20.) wurden keine unberechtigten Reisenden mehr in den Zügen nach Sylt entdeckt, und auch die Fluggesellschaften lassen niemanden ohne Ausnahmegenehmigung an Bord.

Sorgen bereiten dem Landrat Meldungen, nach denen auf den Inseln tätige Handwerker vom Festland teils misstrauisch angeblickt werden. »Unsere berechtigte Sorge vor Corona darf nicht dazu führen, dass wir jeden, der nicht aus Nordfriesland kommt, für einen Virenträger halten. Unsere breitgefächerten Maßnahmen schaffen generell so großen Abstand zwischen den Menschen, dass die Handwerker sicherlich kein untragbares Risiko darstellen.«

Der Kreis bereitet bereits die nächste Allgemeinverfügung vor: Mit dem Ziel der weiteren
Beschränkung von Kontakten in besonderen öffentlichen Bereichen fordert das Land die Kreise auf, private Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern oder Grillabende sowie Ansammlungen von Personen im öffentlichen Raum ab einer Teilnehmerzahl von mehr als fünf Personen zu untersagen, sofern keine Verwandtschaftsverhältnisse ersten Grades bestehen.

»Diese unglaublich rasche Frequenz von neuen Bestimmungen mit extremen Auswirkungen auf das öffentliche Leben hat es so noch nie gegeben, und ich hoffe auch, dass diese Situation sich nie wiederholen wird. Umso glücklicher bin ich, dass der Krisenstab im Kreishaus das alles sauber abwickelt und dass die Ämter, Städte und Gemeinden, mit denen wir uns regelmäßig abstimmen, immer mit im Boot sind. Besser kann eine kommunale Familie nicht funktionieren«, betont Florian Lorenzen.

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