Ausstellung ZERO in Husum: Jeder Tropfen Alkohol in der Schwangerschaft ist höchst gefährlich

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Kaum jemand weiß, dass bereits sehr geringe Mengen Alkohol während der Schwangerschaft zu der Behinderung »Fetales Alkoholsyndrom« (FASD / Fetal Alcohol Spectrum Disorder) führen können. Bundesweit werden jährlich rund 2.000 Kinder damit geboren. Um insbesondere junge Leute aufzuklären, wird vom 16. bis zum 20. September 2019 in der Kreisberufsschule in Husum die Wanderausstellung »ZERO« gezeigt. Sie richtet sich an die Schülerinnen und Schüler aller allgemeinbildenden Schulen in Husum und Umgebung ab der neunten Klasse.

Foto: Kreis Nordfriesland

»Mit der Ausstellung und vor allem mit dem Begleitprogramm richten wir uns aber ebenso an Multiplikatoren aus Schule, Jugendarbeit, Jugendhilfe und Gesundheitssystem«, betont Dr. Susanne Ehlert, die Leiterin des Jugendärztlichen Dienstes im Gesundheitsamt des Kreises Nordfriesland. »FASD kann sehr unterschiedlich aussehen: Geistige Behinderungen, Wachstums- und Entwicklungsstörungen, extreme Verhaltensauffälligkeiten – all das kommt vor. Menschen mit FASD sind für immer geschädigt. Ein normales Leben in der Gesellschaft ist ihnen kaum möglich«.

»Bereits ab dem Kinderwunsch darf absolut kein Alkohol mehr konsumiert werden. Denn bei Feststellung einer Schwangerschaft lebt der Fötus bereits einige Wochen im Uterus und hat eventuell schon Schaden durch Alkohol genommen, bevor die werdende Mutter von ihrer Schwangerschaft weiß«, warnt Susanne Baum, die Geschäftsbereichsleiterin Beratung und Therapie im Diakonischen Werk Husum. Sie hat die Wanderausstellung gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe aus den Bereichen Suchtberatung, Psychologische Beratung, sozialraumorientierte Kinder- und Jugendhilfe, Pro familia, dem Gesundheitsamt sowie dem Kollegium der Kreisberufsschule nach Husum geholt.

Die Ausstellung besteht aus einem begehbaren Kuppelzelt und interaktiven Stationen mit Touch-Screens zu den Themen Schwangerschaft, Alkohol und Gesundheit sowie Leben mit FASD. Konzipiert wurde sie vom Netzwerk FASD-Nordbayern, Schirmherrin ist die Bundesdrogenbeauftragte.

Der Alkohol-Konsum junger Menschen hat sich mit dem bei vielen üblichen Binge-Drinking am Wochenende deutlich erhöht. Dass hartes Trinken in der Schwangerschaft schädlich ist, gehört inzwischen zur Allgemeinbildung. Doch bereits ein Gläschen Rotwein am Feierabend oder ein »kreislaufstärkendes« Glas Sekt kann fatale Auswirkungen haben.

Alkohol ist ein Zellgift. Trinkt eine Frau in der Schwangerschaft Alkohol, gelangt dieser über das mütterliche Blut durch Plazenta und Nabelschnur unverdünnt zum Kind. Dieses hat praktisch sofort genauso viele Promille wie seine Mutter, braucht aber zehnmal länger, um den Alkohol abzubauen. Während dieser Zeit sind die Zellen des Kindes dem Gift schutzlos ausgeliefert.

»FASD ist nicht heilbar. Werdende Mütter, die Alkohol trinken, wissen gar nicht, was sie ihren Kindern antun. Dabei wären diese Behinderungen kostenlos ohne Untersuchungen und Vorsorgemaßnahmen zu 100 Prozent vermeidbar«, fasst Landrat Dieter Harrsen zusammen. Er wünscht der Ausstellung viele Besucherinnen und Besucher und hofft, dass das Wissen über FASD in der Bevölkerung dadurch sprungartig ansteigt.

Bildunterschrift: Dr. Susanne Ehlert, Leiterin des Jugendärztlichen Dienstes im Gesundheitsamt des Kreises Nordfriesland; Mark Valentin, stellvertretender Schulleiter der Berufsschule in Husum; Angela Reinhard, Leiterin der pro familia-Beratungsstelle in Husum; Volker Schümann, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Husum; Susanne Baum, Geschäftsbereichsleiterin Beratung und Therapie im Diakonischen Werk Husum

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