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Landessozialministerin Aminata Touré übergibt Förderbescheid: 670.000 Euro für neues Frauenhaus in Husum

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(CIS-intern) –  Der Kreis Nordfriesland setzt ein Zeichen gegen häusliche Gewalt: In Husum entsteht ein Neubau für das Frauenhaus Nordfriesland mit 20 Plätzen. Am 13. Februar übergab Aminata Touré, die Ministerin für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein, symbolisch einen Förderbescheid über 670.000 Euro für die Investitionskosten aus dem IMPULS-Programm des Landes und tauschte sich mit Landrat Florian Lorenzen und dem Geschäftsführer von WohnECK NF, Olaf Henschen über das Projekt aus. Insgesamt unterstützt das Land den Neubau des Frauenhauses mit 2,4 Mio. Euro.

„Der Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt hat für uns höchste Priorität. Deshalb haben wir bereits im Koalitionsvertrag festgelegt, die Frauenhausplätze im Land weiter auszubauen – insbesondere im nördlichen Landesteil. Ich freue mich sehr, dass Nordfriesland nun endlich ein eigenes Frauenhaus bekommt und wir den Neubau entsprechend fördern können“, sagte Touré bei der Übergabe in Husum.

„Wir wollen perspektivisch unbedingt noch mehr Frauenhausplätze in Schleswig-Holstein schaffen. Deshalb stellen wir hierfür künftig 30 Millionen Euro aus dem Infrastrukturpaket bereit. So sollen 200 weitere Frauenhausplätze im Land entstehen“, sagte Touré.

Landrat Florian Lorenzen betont: „Gewalt gegen Frauen ist kein privates Problem. Sie ist eine gesellschaftliche Herausforderung, der wir uns gemeinsam stellen müssen. Mit dem Neubau in Husum schaffen wir dringend benötigte Schutzplätze. Gleichzeitig sichern wir eine fachlich hochwertige Beratung für Frauen und ihre Kinder. Ich danke dem Land ausdrücklich für die großzügige Förderung sowie dem nordfriesischen Kreistag für die Initiative.“

Bestehendes Angebot ausgelastet – Ausbau dringend erforderlich

Im Kreis Nordfriesland gibt es seit dem 1.1.2026 insgesamt 24 Plätze für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder. Sie werden vom freien sozialen Träger Brücke Rendsburg-Eckernförde in Bredstedt angeboten. Im Jahr 2025 wurden dort insgesamt 58 Frauen mit ihren 42 Kindern betreut. Weitere 126 Frauen mit ihren 103 Kindern mussten aufgrund von Platzmangel abgewiesen werden.

Von den 24 Plätzen werden 16 über Landesmittel finanziert, acht Plätze trägt der Kreis Nordfriesland als freiwillige Leistung. Die Personalausstattung und das Schutzkonzept erfüllen den Standard anerkannter Frauenhausplätze. Maßgeblich ist unter anderem, dass je sechs Plätze eine Vollzeitkraft vorhanden sein muss.

Bauherr ist die WohnECK NF gGmbH

Der Kreis hat die WohnECK NF gGmbH gebeten, als Bauherr des Neubaus zu fungieren. Nach Fertigstellung wird sie Eigentümerin des Gebäudes sein und es an die Brücke Rendsburg-Eckernförde vermieten.

Der Kreistag hat die Entwurfsplanung und die vorläufige Kostenberechnung bereits einstimmig beschlossen. „Wir werden die Bauarbeiten schnellstmöglich auf den Weg bringen“, sagt WohnEck-Geschäftsführer Olaf Henschen zu. Ein Grundstück ist hat WohnECK NF bereits erworben; der genaue Standort wird aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht. Die Baugenehmigung hat die Stadt Husum bereits im letzten Jahr erteilt.

Fachliches Konzept: Schutz, Beratung und Perspektiven

Das fachliche Konzept des Frauenhauses Nordfriesland hat die Brücke im Auftrag des Kreises erarbeitet. Seit 2021 setzt sie es in Bredstedt auch selbst um. Es orientiert sich an anerkannten Standards, darunter der Istanbul-Konvention, sowie der Förderrichtlinie des Landes.

Im Mittelpunkt stehen Schutzunterbringung, Beratung und die Unterstützung beim Aufbau neuer Lebensperspektiven – etwa durch Hilfe bei Wohnungssuche und beruflichem Wiedereinstieg sowie durch die Anbindung an therapeutische Angebote. Die durchschnittliche Verweildauer wird mit rund sechs Monaten kalkuliert.

In der Kreisverwaltung kümmert sich Christian Grelck als Leiter des Fachbereiches Soziales, Arbeit und Teilhabe um das Projekt. Er erklärt: „Ein Frauenhaus ist ein geschützter Ort – und gleichzeitig der Startpunkt für einen Neuanfang. Wir hoffen sehr, das Angebot in Nordfriesland über die bestehenden 24 Plätze hinaus weiter aufstocken zu können, wenn das Land nun noch zusätzliche 200 Plätze zur Verfügung stellt. Damit können vielleicht auch weitere Plätze im Frauenhaus Nordfriesland geschaffen werden. Dafür haben wir mit der Brücke einen bewährten Partner an unserer Seite.“

Schutz, Barrierefreiheit und Aufnahme auch besonderer Bedarfe

„Das Frauenhaus wird barrierefrei gestaltet, um auch Frauen mit Mobilitätseinschränkungen, etwa Rollstuhlnutzerinnen, einen sicheren Aufenthalt zu ermöglichen. Aufgenommen werden neben Frauen auch Kinder und Jugendliche; ausdrücklich ist das Angebot offen für Frauen mit Behinderung, Migrantinnen und weitere Personengruppen mit Schutzbedarf. Zu den baulichen und organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen gehören eine stets abgeschlossene Außentür sowie eine verstärkte Aufmerksamkeit im Umfeld, etwa durch polizeiliche Streifen“, erläutert die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Simone Ehler.

Die Fachkräfte stellt die Brücke: Vorgesehen sind qualifizierte Mitarbeiterinnen, etwa aus Sozialpädagogik, Traumafachberatung und mit interkulturellen Kompetenzen. Die Fachkräfte sind nicht rund um die Uhr im Haus, es wird jedoch ein Bereitschaftsdienst eingerichtet. Bei Sprachbarrieren unterstützen die beim Kreis beschäftigten Kulturmittler. 

Frauenhäuser: Aufnahme unabhängig vom Einkommen – viele bundesweit offen
Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend In Deutschland stehen gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern rund 400 Frauenhäuser sowie über 40 Schutz- oder Zufluchtswohnungen mit mehr als 6000 Plätzen zur Verfügung[1]. Erforderlich wären 19.900 Plätze[2].

Die Aufnahme erfolgt unabhängig von Einkommen oder Leistungsbezug, damit Kosten die Betroffenen nicht von der Inanspruchnahme des Schutzes abhalten. Viele Frauenhäuser stehen zudem grundsätzlich bundesweit jeder Frau offen – unabhängig vom bisherigen Wohnort. Andere dürfen laut ihrer Satzung nur Frauen aus ihrer Nähe aufnehmen. Viele Frauen suchen bewusst Distanz, um sich dem Einfluss eines gewalttätigen Partners zu entziehen; andere wünschen Nähe, etwa damit ihre Kinder weiterhin die gewohnte Schule besuchen können.

Eine bundesweite Übersicht bietet das Portal www.frauenhaus-suche.de: Dort können Frauen die Kontaktdaten von Frauenhäusern finden und selbst anrufen, um eine Aufnahme anzufragen.

[1] Quelle: https://t1p.de/n482a

2 Quelle: https://t1p.de/rzi2x — Frauenhaus-Koordinierung e. V., Bundesweite FH-Statistik 2024, s. 20 oben

Foto: Kreis Nordfriesland

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