Neue Sozialraumverträge für Jugend- und Eingliederungshilfe unterzeichnet

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(CIS-intern) –  Bereits zum vierten Mal hat der Kreis Nordfriesland seine Sozialraumverträge für die Jugend- und Familienhilfe sowie die Eingliederungshilfe für unter 18-jährige Menschen mit Behinderungen öffentlich ausgeschrieben. Am 3. Dezember 2020 unterzeichneten Landrat Florian Lorenzen und sieben freie Träger der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe für unter 18-Jährige Vereinbarungen für den Zeitraum 2021 bis 2025.

Foto: Mario De Mattia

In der Interessenbekundung haben sich in allen Sozialräumen die gleichen Anbieter wie vor fünf Jahren durchgesetzt. »Sie haben aber nicht einfach nur ihre alten Konzepte erneut eingereicht, sondern zahlreiche innovative Ideen entwickelt, in denen wir ein hohes Potenzial sehen«, lobt Landrat Florian Lorenzen.

 

Vorangegangen war ein gemeinsam mit Politik, freien Trägern und Verwaltung abgestimmter Prozess für die Interessenbekundung. »Ich freue mich, dass wir zusammen mit allen Beteiligten eine so erfolgreiche Interessenbekundung durchführen konnten und Politik, Träger und Verwaltung die Rahmenbedingungen auf Augenhöhe gemeinsam definiert haben«, erläutert Telse Dierks, die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses.

 

Jugendhilfe


Das Kreisgebiet ist in fünf geografische Räume aufgeteilt, in denen jeweils eine Institution als sogenannter Sozialraumträger gemeinsam mit Kooperationspartnern für die Umsetzung aller Hilfeleistungen verantwortlich ist. »Selbstverständlich nehmen wir unsere Verantwortung als Jugendamt auch weiterhin wahr, nur eben gemeinsam: Alle Sozialraumträger erfüllen ihre Aufgaben in sehr enger Abstimmung mit uns«, betont der Leiter des Fachbereiches Jugend, Familie und Bildung des Kreises, Daniel Thomsen. Neben der Betreuung von Einzelfällen werden Projekte und Angebote für die Sozialräume umgesetzt; daneben finden viele Kooperationen und Projekte zum Beispiel mit Schulen statt.

 

Mit jedem Sozialraumträger hat der Kreis Nordfriesland ein Budget vereinbart. Mit diesem können die Regionen niedrigschwellige Angebot und Projekte entwickeln, die dazu beitragen, Erziehungshilfen von vornherein zu vermeiden. »Wenn das Budget mal nicht ausgeschöpft wird, übertragen wir einen Teil davon ins nächste Jahr«, erläutert Verwaltungschef Florian Lorenzen.

 

Im Wettbewerb der besten Konzepte haben sich folgende Träger durchgesetzt: Die Sozialräume Nord und Süd vergab der Jugendhilfeausschuss des Kreises an die KOMPASS gGmbH. Die Sozialräume Husum und Mitte wurden dem Diakonischen Werk Husum gGmbH anvertraut, und der Sozialraum Inseln ging an das Diakonische Werk Südtondern gGmbH.

 

Das Wort »Sozialraum« bezeichnet gleichzeitig auch das soziale Umfeld eines Kindes oder einer Familie. »Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Dabei beziehen wir die Wünsche, Ziele und Stärken der ganzen Familie mit ein. Aber auch Freunde oder Nachbarn können spürbar dazu beitragen, familiäre Spannungen abzubauen«, erläutert Florian Lorenzen. Er betont, dass der Wille und die Ziele der Klienten stets im Vordergrund stehen: »Niemandem wird etwas übergestülpt. Diese Herangehensweise hat sich sehr bewährt.«

 

Eingliederungshilfe


Aufgrund der positiven Erfahrungen des Jugendamtes hat der Jugendhilfeausschuss des Kreises sich bereits 2008 entschieden, auch die Eingliederungshilfe für unter 18-jährige (EGH) auf ein sozialräumliches System umzustellen. Ziel der EGH ist es, jungen Menschen mit Beeinträchtigungen eine normale Teilhabe am Leben zu ermöglichen.

 

Dabei handelt es sich größtenteils um Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, die sich mit entsprechender Förderung häufig weitgehend beheben oder mildern lassen. Daneben erfolgt eine Förderung von Kindern mit körperlichen oder geistigen Behinderungen.

 

Ziel aller Beteiligten ist ein Systemwechsel hin zu einer inklusiven Gesellschaft. Neben den Einzelförderungen werden deshalb fallübergreifende Angebote und Projekte entwickelt und umgesetzt. Sie sollen später einmal dazu führen, dass die Teilhabe der Kinder auch ohne Einzelmaßnahmen sichergestellt ist. Ebenso wie in der Jugendhilfe finden enge Kooperationen mit anderen freien Trägern der Eingliederungshilfe sowie Kindergärten und Schulen statt.

 

Auch im Bereich der EGH können Präventionsmaßnahmen recht simpel konstruiert sein. Forscher haben nachgewiesen, dass kleine Kinder, die regelmäßig auf Bäume klettern, im Matsch spielen, Trampolin springen oder sich anderweitig körperlich betätigen, über besser vernetzte Gehirnzellen verfügen als Stubenhocker.

 

»Toben macht schlau«, bringt Daniel Thomsen es auf den Punkt: »Gut ausgestattete öffentliche Spielplätze sind deshalb als Teil des Bildungssystems zu betrachten und entsprechend ernst zu nehmen.«

 

Um den Sozialraum Süd kümmert sich weiterhin die IUVO gGmbH. Die Sozialräume Husum und Mitte wurden an die Lebenshilfe Husum gGmbH vergeben, der Sozialraum Nord ging an die Lebenshilfe Niebüll gGmbH und der Sozialraum Inseln an die Lebenshilfe Inseln e.V.

 

Die Sozialraumträger müssen darauf achten, regelmäßig einzelne Maßnahmen an die weiteren freien Träger, sog. Kooperationspartner, der Region zu vergeben: »Die Vielfalt unserer Trägerlandschaft ist ein Wert an sich, der nicht gefährdet werden darf«, hebt Daniel Thomsen hervor.

 

Gesamtkosten: 115 Millionen Euro


Die jährlichen Ausgaben des Kreises liegen für die Jugendhilfe bei rund 15 Millionen und in der EGH bei rund 8 Millionen Euro jährlich. Die zehn Verträge haben somit für den fünfjährigen Zeitraum ein Gesamtvolumen von 115 Millionen Euro.

 

Die geografischen Sozialräume sind in beiden Fällen deckungsgleich. »Es gibt eine Reihe von Familien, die wir sowohl in der Jugendhilfe als auch in der EGH für unter 18-jährige unterstützen. Deshalb ist es sinnvoll, auch die Hilfen eng aufeinander abzustimmen«, erläutert Peter Raben, der Leiter des Fachdienstes Jugend und Familie, zu dem die Eingliederungshilfe für unter 18-jährige gehört. »Im Mittelpunkt steht für uns das Kind. Wir bauen unsere Strukturen so auf, dass nichts von diesem Fokus ablenkt«, betonen Raben und Thomsen.

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