Die Modellregion Nordfriesland überwindet ihre Kinderkrankheiten

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(CIS-intern) – Internetseiten, die nicht an Smartphones angepasst sind, Vermieter, denen ihre Registriernummer fehlt, Tagesberichte mit Lücken – in den ersten Tagen der Modellregion Nordfriesland lief nicht alles rund.

Foto: von Anja🤗#helpinghands #solidarity#stays healthy🙏 auf Pixabay

Trotzdem steht Landrat Florian Lorenzen zu der Entscheidung, am 1. Mai begonnen zu haben: „Für die Tourismusbranche einschließlich der vielen dort Beschäftigten war es ein wichtiges Signal, dass es endlich wieder aufwärts geht“, sagt er. „Und die anfänglichen Schwierigkeiten werden jetzt nach und nach behoben. Unsere niedrigen Inzidenzwerte bestätigen, dass die Entscheidung zum Start der Modellregion nach wie vor vertretbar ist.“

 

Natürlich wäre der Start deutlich flüssiger verlaufen, wenn alle Beteiligten sich bis Juni oder Juli Zeit gelassen hätten. „Bei einem so großen, bundesweit einmaligen Projekt mit so vielen Mitwirkenden finde ich es aber auch verständlich, wenn es zu Beginn etwas ruckelt. Die Hauptsache ist doch, erstmal ins Laufen zu kommen. Lieber aus Fehlern lernen und dann nachbessern, als in der Hoffnung auf einen perfekten Start Monate zu verlieren“, findet der Verwaltungschef.

 

Die gestern (5. Mai) verkündete Entscheidung des Landes Schleswig-Holstein, ab dem 17. Mai im ganzen Land weitere Lockerungen auch für den Tourismus zuzulassen, hat die Nordfriesen überrascht. Viele fragten sich, ob der enorme Aufwand für die Vorbereitung der Modellregion am Ende gar nicht erforderlich gewesen wäre. Florian Lorenzen sieht es anders: „Wir haben in den letzten Wochen gemeinsam mit vielen anderen die Grundlagen dafür gelegt, dass unsere Betriebe bereits am 1. Mai wieder öffnen konnten und dass Tausende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer endlich ihre Kurzarbeit beenden konnten. Und auch ohne Modellregion hätten wir die umfangreichen Testkapazitäten für die Öffnungsschritte zum 17. Mai ohnehin schaffen müssen. Großen Dank schulde ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kreises, die im Einsatz für die Modellregion wieder einmal weit überdurchschnittlichen Einsatz gezeigt haben.“

 

Noch weiß er nicht, ob das Modellprojekt bereits am 17. Mai in den Regelbetrieb überführt wird, weil die konkreten Regeln der neuen Landesverordnung noch nicht bekannt sind.

 

Zurzeit nehmen 5.281 Betriebe mit 7.611 Betriebsstätten an der Modellregion teil. Weitere rund 488 Betriebsstätten werden kurzfristig dazukommen. Einige müssen noch Unterlagen nachliefern, bei anderen arbeitet die Verwaltung auf Hochtouren daran, ihre mittlerweile eingesandten Dokumente zu prüfen. Ist alles in Ordnung, werden die Betriebe in die Liste eingetragen.

 

Unmittelbar nach der ersten Veröffentlichung wurde die erste Version dieser Aufstellung auf der Facebookseite des Kreises hart kritisiert. Denn sie lässt sich nicht so verkleinern, dass sie auf Smartphones genutzt werden kann. Der Grund: Die Kreisverwaltung hatte schlicht keine optimale Software für diesen Zweck und konnte angesichts der kurzen Vorbereitungszeit auch keine beschaffen. „Darum haben wir unser Controlling-System genommen, das eigentlich für andere Zwecke konzipiert ist. Auf Laptops und größeren Tablets funktioniert es auch. In normalen Zeiten hätten wir das natürlich auch für Smartphones sichergestellt. Wir bitten alle um Verständnis, dass wir hier aufgrund des Zeitdrucks andere Prioritäten setzen mussten“, sagt Florian Lorenzen.

 

Alle teilnehmenden Betriebe in Nordfriesland haben sich verpflichtet, dem Gesundheitsamt täglich die Zahl ihrer Gäste sowie die Zahl der eingesetzten Mitarbeiter für den jeweiligen Tag zu melden. Noch hakt es bei einigen. „Wir brauchen auf jeden Fall von jedem Betrieb für jeden Tag eine Meldung, um die wissenschaftliche Begleitung zu sichern. Deshalb versenden wir zurzeit Erinnerungsmails, aber wenn es sein muss, werden wir auch Zwangsgelder verhängen. Die Bedingungen waren jedem Teilnehmer von Beginn an klar, und jeder hat sie einzuhalten“, betont der Landrat.

 

Alle rund 150 Teststationen melden täglich, wie viele Schnell- und PCR-Tests sie durchgeführt haben. Bei positiven Schnelltestergebnissen werden dem Gesundheitsamt auch die Namen und Adressen der Betroffenen mitgeteilt. Nicht nur Urlaubsgäste, sondern jedermann mit positivem Schnelltest ist verpflichtet, einen PCR-Test machen zu lassen. Die jeweilige Teststation ist verpflichtet, den PCR-Test selbst durchzuführen oder an eine andere Teststelle oder Arztpraxis zu vermitteln, damit eine schnellstmögliche Abklärung erfolgt. Nach einem positiven Schnelltest gilt für die Betroffenen automatisch, also ohne spezielle Anordnung durch den Kreis, die Pflicht, sich umgehend in Quarantäne zu begeben. Sie dürfen ihre Räumlichkeiten nur verlassen, um den PCR-Test vorzunehmen. Bestätigt das Labor den positiven Test, müssen Urlaubsgäste entweder sofort abreisen, ohne Bus und Bahn zu nutzen. In diesem Fall gibt das nordfriesische Gesundheitsamt den Vorgang vollständig an das Heimat-Gesundheitsamt der betroffenen Person ab. Sofern eine Abreise unmöglich ist, ist die Quarantäne in der Urlaubsunterkunft zu absolvieren. Gibt das Labor hingegen Entwarnung, kann der Urlaub weitergehen.

 

Florian Lorenzen hatte in Bezug auf die Daten der Modellregion Transparenz versprochen. Seit dem 6. Mai stehen sie allen Interessierten unter https://t1p.de/wqef zur Verfügung. Dazu gehören Listen der teilnehmenden Betriebsstätten, gegliedert sowohl nach Ämtern als auch nach Gemeinden, die dank des als Notlösung eingesetzten PDF-Formats auch auf kleinen Bildschirmen lesbar sind. So kann jeder per Smartphone nachsehen, wo sich der nächstgelegene Gastronomiebetrieb befindet.

 

Der Kreis veröffentlicht zudem, wie viele Gäste es in den touristischen Teilregionen gab, wie viele davon über einen vollständigen Impfschutz verfügten, wie viel Personal in den Betrieben eingesetzt wurde einschließlich Angaben zu dessen Impfschutz, die Anzahl der durchgeführten Schnelltests für Gäste und Personal sowie die Anzahl der positiven Schnelltestergebnisse. Die Daten werden im Hintergrund fortlaufend gepflegt und aktualisiert.

Eine eigene Tabelle vergleicht die einzelnen Regionen dahingehend, wie viele ihrer Betriebe die täglichen Meldungen an den Kreis pünktlich abgegeben haben – das ist auch erforderlich, wenn keine Gäste vor Ort waren oder der Betrieb einen Ruhetag hatte. Eine andere Tabelle zeigt, wie viele Betriebe bereits akkreditiert wurden und bei wie vielen der Kreis noch offene Rückfragen, unvollständige Anträge oder fehlende Unterlagen verzeichnet. Ebenso transparent werden die Daten der Schnelltestanbieter im Kreisgebiet dargestellt: Getrennt nach Tagen ist erkennbar, wie viele Testzentren in einer Region wie viele Einwohner, Tages- und Übernachtungsgäste getestet haben und wie viele Tests in den drei Personengruppen jeweils positiv ausfielen.

 

„Leider sind die Daten noch nicht vollständig gemeldet worden. Doch nach heutigem Stand lässt sich ablesen, dass unter den 47.976 gemeldeten Schnelltests nur 56 positiv ausfielen. Darunter waren 37 Einheimische, was 0,08 Prozent der Tests entspricht, null Tages- und 19 Übernachtungsgäste, das sind 0,04 Prozent“, hat Florian Lorenzen ausgerechnet. Sie alle müssen per PCR-Test überprüft werden.

 

Nicht mitgezählt hat der Landrat 71 positive Schnelltests in einem Zentrum im Amt Mittleres Nordfriesland: „Dort meldete ein Betreiber 71 getestete Einheimische, die alle positiv sein sollen. Das ist ein Versehen gewesen. Die Zahlen müssen nur noch in der Datenbank korrigiert werden.“

 

Das Wissenschaftlerteam des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf, das die Modellregion wissenschaftlich begleitet, wird alle Daten auswerten und daraus Politikempfehlungen ableiten.

 

Die Prozesse spielen sich ein, und Gäste, Anbieter sowie Kreis gewinnen mehr Routine. „Nach der etwas mühsamen Anfangsphase kommt die Zusammenarbeit kreisweit in Schwung“, fasst Florian Lorenzen zusammen. Trotzdem müsse allen bewusst sein, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist: „Jeder Gast, der sich an die Regeln des Modellprojektes hält, ist herzlich in Nordfriesland willkommen. Auf die anderen freuen wir uns dann nach der Pandemie wieder.“

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