
(CIS-intern) – Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) wird von Mitte Mai bis Ende August 2026 im Bereich Nieblum (Strand) und Goting-Kliff an der Südküste Föhrs auf einer Länge von drei Kilometern rund 445.000 Kubikmeter Sand aufspülen. Anfang dieser Woche begann auf der Insel der Rückbau von zwei jeweils 150 Meter langen Buhnen, die für den Küstenschutz entbehrlich sind. Für den 13. Mai ist der erste Spülstoß geplant.
Die Südküste der Insel Föhr verliert pro Jahr rund 62.000 Kubikmeter Sand, der seit 1963 durch Sandaufspülungen teilweise ersetzt wird. Zuletzt wurden vor vier Jahren in Utersum 206.000 Kubikmeter Sand aufgespült.
Für die sandige Küste vor der Gemeinde Nieblum ist eine Sandaufspülung vorgesehen, wenn die folgenden drei Kriterien zutreffen:
- Der Inselsockel liegt frei und weitere Erosionen könnten die Substanz der Insel gefährden.
- Die Küstenbasislinie, die das Land halten will, unterschritten wird..
- …und Bauwerke an der Küste in ihrer Standsicherheit gefährdet sind.
Die ersten beiden Kriterien sind bereits im Jahr 2025 für „Goting-Kliff“ eingetreten. Für den Bereich Nieblum (Strand) ist dies voraussichtlich 2029 der Fall. Nimmt der Sandrückgang zu, ist nach Auffassung des LKN.SH auch das dritte Kriterium in naher Zukunft erfüllt. Deshalb ist eine Sandaufspülung über den gesamten Strandabschnitt notwendig. Im Bereich Nieblum (Strand) und Goting-Kliff wurde zuletzt im Jahr 2012 aufgespült, damals mit rund 262.000 Kubikmetern Sand.
„Besonders vor den Nordseeinseln treffen die Wellen mit großer Kraft auf die Küste“, sagt Dirk van Riesen, Abteilungsleiter Wasserbau im Umweltministerium des Landes Schleswig-Holstein. „Die flexiblen Sandaufspülungen haben sich bislang als der effektivste und naturverträglichste Schutz unserer sandigen Küsten erwiesen.“
Im Bereich „Goting-Kliff“ werden rund 205.000 Kubikmeter aufgespült, in „Nieblum (Strand)“ rund 240.000 Kubikmeter. Der Strandbereich hat eine Länge von rund drei Kilometern. „Nach 14 Jahren ist eine solche Maßnahme in diesem Abschnitt wieder notwendig“, sagt Birgit Matelski, Direktorin des LKN.SH. „Die Folgen weiterer Erosionen würde einen wesentlich größeren und damit auch deutlich teureren Eingriff erforderlich machen.“
Die beiden Sandaufspülungen werden nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen gleichzeitig durchgeführt. So wird auch der Eingriff in die Natur minimiert.
Der Sand kommt aus dem Feld „Westerland III“, einer Fläche, die zehn Kilometer westlich vor der Insel Sylt liegt. Von dort wird er aus 15 Metern Tiefe vom Meeresboden auf Spezialschiffe gepumpt, sogenannten Laderaumsaugbaggern, und dann, westlich an Amrum vorbei, über 70 Kilometer bis in die „Norderau“ südlich von Föhr transportiert. Von hier wird eine zwei Kilometer lange Spülleitung ins Watt verlegt, an der Küste dann noch einmal Rohre auf einer Strecke von 1,5 Kilometern. Um den Sand über eine so lange Strecke transportieren zu können, ist eine Druckerhöhungsstation nötig.
Der zeitliche Ablauf und die Trassen der Leitungen wurden so geplant, dass besonders im Hinblick auf Störungen der Seehunde während der Wurf- und Säugezeit sowie mausernder Trauerenten, aber auch von Brut- und Rastgebieten keine erheblichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Zum Schutz der Brutvögel am Strand werden am östlichen Ende des Aufspülabschnitts in Nieblum Strandinseln außerhalb des Aufspülbereichs eingerichtet.
Die Sandentnahme aus dem Nationalpark, die Sandaufspülungen und die Einrichtung der Spülleitungen sind im Sinne des § 14 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) als Eingriffe in Natur und Landschaft zu bewerten. Zur Kompensation werden am Strand von „Nieblum-Senke“ und „Grevelingdeich“ zwischen Anfang April und Ende Mai die jeweils 150 Meter langen Buhnen mit einem Gewicht von insgesamt knapp 3.400 Tonnen zurückgebaut. Sie sind aus Sicht der Küstenschutzes entbehrlich.
Die Sandaufspülung wird voraussichtlich rund 12,5 Millionen Euro kosten und
durch das Land Schleswig-Holstein über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ finanziert.
Foto: Pokrandt/LKN.SH




