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Marschbahn: Ab Mitte November soll der Verkehr wieder normal rollen

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Ab Mitte November 2017 sollte die Krise des Nahverkehrs auf der Marschbahn beendet sein: Dann werden alle 90 Waggons mit reparierten Kupplungen wieder fahren, und genügend Loks stehen ebenfalls zur Verfügung. Die zuständigen Unternehmen haben drei Loks mehr als geplant im Einsatz, um die Lücken auszugleichen, die durch die vier Wochen dauernde “Rollkur” entstehen, der sich jede Lok unterziehen muss.

Foto: Mario De Mattia

So lautet das wichtigste Ergebnis des Arbeitsgespräches, zu dem der Kreis Nordfriesland gestern Abend (24.10.) nach Niebüll eingeladen hatte. Alle Verantwortlichen waren der kurzfristigen Einladung gefolgt, um die technischen Probleme zu erläutern und Schlussfolgerungen für die Zukunft zu ziehen: die Nah.sh GmbH, das Land Schleswig-Holstein, die DB Regio AG, die zur Paribus Capital GmbH gehörende Northrail GmbH und der Lokhersteller Bombardier.

Auch die Leidtragenden und Vertreter der Region waren erschienen: die Pendlerinitiative, der Verein Sylter Unternehmer, der DEHOGA und die Gemeinde Sylt, das Amt Südtondern und die Stadt Niebüll sowie mehrere Abgeordnete des nordfriesischen Kreistages. Die Sitzungsleitung übernahm Burkhard Jansen, der Leiter des Fachbereiches Kreisentwicklung, Bau, Umwelt und Kultur des Kreises.

Zu Beginn schilderte der Sprecher der Pendlerinitiative, Achim Bonnichsen, die sowohl menschlich als auch finanziell kaum zu ertragende Situation der Betroffenen und ihrer Familien am mittlerweile 348. Tag des Ersatzkonzeptes. Die Unternehmer Karl-Max Hellner und Claas-Erik Johannsen stellten die Auswirkungen der Krise auf die Wirtschaftsbetriebe der Insel dar. Wie die betroffenen Urlaubsgäste langfristig reagieren werden, sei noch nicht absehbar.

Thomas Dönges von der Firma Bombardier erläuterte die technischen Probleme der Lokomotiven: Ihre jeweils vier Dieselmotoren haben sich seit langem weltweit in Baumaschinen und Bergwerken bewährt. Die Idee, sie auch in Lokomotiven einzusetzen, entstand aus dem Wunsch nach umweltfreundlicheren Dieselaggregaten, die in den Bahnhöfen weniger Abgase ausstoßen. Erst im Betrieb der auf mehreren Strecken in Deutschland eingesetzten Loks stellte sich heraus, dass selbst vier hintereinander geschaltete Motoren den im Eisenbahnverkehr längeren Betriebsdauern und Belastungen nicht vollständig gewachsen sind. Die Folge waren Öl-Leckagen und defekte Zylinderkopfdichtungen. Nachdem erste Reparaturmaßnahmen keinen dauerhaften Erfolg zeigten, veränderten die Ingenieure von Bombardier und des amerikanischen Herstellers die Motorkonstruktion an den anfälligen Stellen. Die ersten Loks mit den so überarbeiteten Motoren laufen jetzt seit acht Monaten einwandfrei.

Bis September 2018 sollen alle 15 Lokomotiven der Marschbahn in der sogenannten Rollkur mit den überarbeiteten Motoren ausgestattet werden. Bis dahin halten die Unternehmen sicherheitshalber 18 Loks an der Westküste vor, um eventuelle Ausfälle der noch nicht überarbeiteten Maschinen ausgleichen zu können.

Christoph Ströh von der DB Regio überbrachte die Botschaft, dass zurzeit zwölf und demnächst alle 15 Original-Züge der Marschbahn mit neuen Kupplungen wieder auf der Strecke sein werden, so dass den Passagieren dann endlich wieder qualitativ hochwertiges Wagenmaterial geboten werden kann. Das endgültige Gutachten zum Kupplungsproblem werde für Mitte November erwartet; größtenteils sei es bereits fertig, nur einige Details fehlten noch. Um absolut sicher zu gehen, werde die DB Regio für den Fall, dass neue Probleme auftreten, noch für einige Zeit 30 Ersatzwaggons an der Westküste bereithalten.

Das Gutachten soll auch Aussagen zur voraussichtlichen Haltbarkeit der neuen Kupplungen machen. Können sie, da sie alle gleich alt sind, dann wieder alle zur gleichen Zeit ausfallen? Auf diese Frage antwortete Christoph Ströh, die DB Regio werde – abhängig vom Ergebnis des Gutachtens – im Rahmen der normalen Wartung rechtzeitig mit dem Austausch beginnen, um eben dies zu verhindern.

Heftig kritisiert wurde die über Monate hinweg mangelhafte Kommunikation zwischen Bahn und Pendlern. Unzureichende Auskünfte an den Bahnhöfen und deutlich verspätete Lautsprecherdurchsagen entstanden insbesondere durch das teils hakelige Miteinander der verschiedenen Tochterunternehmen der Bahn AG.

Zugausfälle und Verspätungen wurden zu spät oder gar nicht gemeldet, so dass tausende Pendler ungezählte Stunden vergebens an den Bahnhöfen warten mussten. Ohne die von den Pendlern selbst betriebene Facebook-Seite wäre es noch schlimmer gewesen. Mittlerweile informiert die DB Regio die Pendler ohne Umwege ganz direkt. Trotzdem werde man weiter an dem Thema arbeiten, versprach Ströh.

In diesem Zusammenhang versicherte er, dass die Züge, die sonnabends und sonntags um 4:31 Uhr und 5:31 Uhr ab Niebüll nach Sylt fahren, nicht gestrichen werden. Ein entsprechendes Gerücht sei durch eine fehlerhafte Angabe in der Internet-Datenbank der Bahn entstanden.



Pendlerin Martina Schulz berichtete über einen Nachmittagszug des Fernverkehrs, den die Pendler laut einer Zusage des Landes nutzen dürfen, was ihnen durch Bahnpersonal allerdings mehrfach verwehrt worden sei. Nah.sh und DB Regio sagten zu, das Problem noch in dieser Woche zu lösen.

Bernhard Wewers, als Geschäftsführer der Nah.sh ein erfahrener Bahnfachmann, erklärte, dass die Probleme, die im letzten Jahr auf der Marschbahn aufgetreten seien, die größte Eisenbahn-Krise darstellten, von der er jemals gehört habe. Man habe viel daraus gelernt. Dazu gehöre die Erkenntnis, dass in künftigen Ausschreibungen von Strecken mehr Ersatzmaterial gefordert werden müsse; auf der Marschbahn zwischen Niebüll und Sylt müssten mehr Trassen freigehalten werden, um kurzfristig auf Probleme reagieren zu können, und die Strecke müsse langfristig zweigleisig ausgebaut werden.

Achim Bonnichsen forderte zudem, in Niebüll ständig einen kompletten Ersatzzug mit Lok und zehn Waggons bereitzuhalten, um künftige Ausfälle sofort ausgleichen zu können.

Nach der Sitzung erläuterte Burkhard Jansen einer Gruppe von rund 50 Pendlerinnen und Pendlern, die mit Trommeln und Plakaten vor dem Gebäude demonstrierten, die Ergebnisse des Gespräches. Mit großem Nachdruck forderten die Pendler Schadenersatzzahlungen des Landes für ihre in den letzten Monaten ausgefallenen und deshalb auch nicht bezahlten Arbeitsstunden ein. Sie kündigten an, diese Forderungen auch in der Einwohnerfragestunde zu stellen, die der am 27. November um 10:00 Uhr im Husumer Kreishaus beginnenden Sondersitzung des Kreistages vorausgehen wird. Landesverkehrsminister Dr. Bernd Buchholz hat seine Teilnahme zugesagt.

Kreis Nordfriesland

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