(CIS-intern) – Husum/Langenhorn. Die Gemeinde Langenhorn und die Erschließungsgesellschaft Nordfriesland (EG.NF) treiben die Entwicklung des geplanten Gewerbegebiets in Mönkebüll weiter voran. Nach dem Start der Bauleitplanung im Frühjahr hat die Gemeindevertretung nun beschlossen, die mögliche Ansiedlung eines Rechenzentrums vertieft zu prüfen und im Verfahren weiterzuverfolgen.
Die Geschäftsführer der Erschließungsgesellschaft Nordfriesland GmbH (EG.NF), Dr. Jérôme Stuck, und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland mbH (WFG NF), Dr. Matthias Hüppauff, begrüßen diesen Weg ausdrücklich. „Die Gemeinde zeigt, dass sie Chancen und Risiken sorgfältig abwägen will, ohne neue Entwicklungsmöglichkeiten vorschnell auszuschließen“, sagt Stuck. „Genau diese Haltung brauchen wir, wenn wir wirtschaftliche Entwicklung in Nordfriesland aktiv gestalten wollen.“
„Die Entscheidung in Langenhorn ist nicht nur für die Gemeinde selbst von Bedeutung, sondern steht beispielhaft für eine Entwicklung, die den Wirtschaftsstandort Nordfriesland insgesamt betrifft“, ergänzt Hüppauff. „Auch an anderen Standorten in der Region gibt es Überlegungen und konkretes Interesse an Rechenzentrumsprojekten oder anderen energieintensiven Vorhaben. Das zeigt, dass Nordfriesland aufgrund seiner besonderen Standortbedingungen zunehmend für solche Investitionen in den Blick genommen wird.“ Die Wirtschaftsförderer werben deshalb dafür, verstärkt auch die Potenziale zu betrachten.
Energie als wirtschaftlicher Standortvorteil
„Nordfriesland hat bei klassischen Unternehmensansiedlungen gegenüber den großen Wirtschaftsräumen strukturelle Nachteile – etwa durch die größere Entfernung zu Absatzmärkten oder Autobahnen. Durch die Energiewende ist zugleich ein besonderer Standortvorteil entstanden: Wir haben ein sehr leistungsfähige Glasfaserinfrastruktur und erzeugen große Mengen erneuerbarer Energie“, erklärt Stuck. Land und Kreis verfolgen das Ziel, diesen Vorteil gezielt für neue Ansiedlungen zu nutzen. „Unsere Aufgabe muss es sein, daraus zusätzliche regionale und lokale Wertschöpfung zu schaffen.“
Rechenzentren könnten dabei eine besondere Rolle spielen. Sie benötigten leistungsfähige Strom- und Datenverbindungen, seien zugleich aber deutlich weniger auf Marktnähe, Autobahnen oder Hafeninfrastruktur angewiesen als viele klassische Industrie- oder Logistikunternehmen. „Rechenzentren sind eine zentrale Infrastruktur für Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Wer digitale Wertschöpfung stärker in Deutschland und Europa halten und zugleich die digitale Souveränität stärken will, braucht auch entsprechende Rechenkapazitäten“, sagt Stuck. Als große Stromverbraucher könnten Rechenzentren zudem dazu beitragen, Erzeugung und Verbrauch stärker regional zusammenzubringen, Netze zu entlasten und den zusätzlichen Netzausbaubedarf zu reduzieren.
„Rechenzentren passen grundsätzlich zu den besonderen Standortbedingungen Nordfrieslands“, ergänzt Hüppauff. „Die Region verfügt über große Mengen grünen Stroms und eine leistungsfähige Netzinfrastruktur, die in den kommenden Jahren weiter ausgebaut wird. Daraus können neue wirtschaftliche Perspektiven für den ländlichen Raum entstehen.“
Langenhorn sei dafür ein konkretes Beispiel. Die Landesplanung sieht den Raum Langenhorn aufgrund seiner besonderen energiewirtschaftlichen Voraussetzungen auch für energieintensive Ansiedlungen als geeignet an. Der Entwicklungsbereich in Mönkebüll selbst ist bereits vor dem konkreten Interesse an einem Rechenzentrum als Ergebnis einer umfassenden Standortalternativenprüfung für die weitere Gewerbeentwicklung ausgewählt worden. Die Landesplanung hat den Standort zuletzt im Juni 2026 auch mit Blick auf eine mögliche Rechenzentrumsansiedlung als besonders geeignet eingeschätzt. Die Einbindung in ein bestehendes Gewerbegebiet, die Lage an B 5 und Bahnstrecke, ein bestehendes 110-kV-Umspannwerk, geplante weitere Netzinfrastruktur in direkter Nachbarschaft zur Entwicklungsfläche und hohe Einspeisungen erneuerbarer Energien böten wichtige Voraussetzungen.
Wertschöpfung beginnt bereits mit dem Bau
„Die wirtschaftlichen Effekte einer solchen Ansiedlung beschränken sich nicht auf die unmittelbar entstehenden Arbeitsplätze“, so Hüppauff. Rechenzentrumsprojekte seien regelmäßig mit Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe verbunden, bei neueren Vorhaben lägen die Investitionssummen sogar im Milliardenbereich. Bereits während der Bauphase seien daher erhebliche Auftragsvolumina etwa in Tief- und Hochbau, Elektroinstallation, Gebäudetechnik und weiteren Dienstleistungen zu erwarten. „Davon können auch nordfriesische Unternehmen profitieren, die in vielen dieser Bereiche stark aufgestellt sind“, betont Hüppauff. Ziel müsse sein, regionale Unternehmen möglichst frühzeitig in entsprechende Vergabemöglichkeiten einzubinden. Auch im späteren Betrieb entstehe kontinuierlicher Bedarf an Wartung, technischem Service, Sicherheitsdienstleistungen und Gebäudemanagement.
„Ein Rechenzentrum ist kein Betrieb, bei dem morgens Lastwagen Material anliefern und abends fertige Produkte wieder abholen“, erläutert Stuck. „Im laufenden Betrieb entstehen deshalb gerade nicht die Logistikverkehre, die mit vielen anderen gewerblichen Nutzungen verbunden wären.“ Hinzu komme die Möglichkeit neuer regionaler Wertschöpfungsketten, beispielsweise durch die Zusammenarbeit mit örtlichen Bürgerwindparks oder anderen Erzeugern erneuerbarer Energie. Rechenzentren schafften zusätzliche, kontinuierliche Nachfrage nach erneuerbarem Strom und könnten damit auch regionalen Energieerzeugern langfristige wirtschaftliche Perspektiven eröffnen. Davon könnten auch Bürgerinnen und Bürger profitieren, die an Bürgerwind- oder Solarparks beteiligt sind – etwa dann, wenn diese ihren Strom langfristig zu guten Konditionen an Rechenzentren verkaufen können.
Neue Ansiedlungen stärken Wirtschaft und kommunale Finanzen „Große Investitionen stehen selten für sich allein“, sagt Stuck. „Neue Infrastruktur, zusätzliche Fachkräfte und ein wachsender Bekanntheitsgrad eines Standortes können weitere Unternehmen anziehen – etwa aus Energie, Digitalisierung, technischer Dienstleistung, Anlagenbau oder anderen Zukunftsbranchen. Genau in diesen Bereichen wollen wir in Nordfriesland weiter wachsen.“
Davon profitiere nicht nur die jeweilige Standortgemeinde. Eine solche Entwicklung könne auch umliegende Kommunen und die Region insgesamt stärken und zur weiteren Diversifizierung der nordfriesischen Wirtschaftsstruktur beitragen. Gerade für einen ländlich geprägten Kreis sei es wichtig, zusätzliche wirtschaftliche Standbeine aufzubauen und attraktiv zu bleiben. Auch mögliche kommunale Einnahmen müssten Teil der Gesamtbetrachtung sein. „Eine leistungsfähige örtliche Wirtschaft und zusätzliche Steuereinnahmen sind kein Selbstzweck“, sagt Hüppauff. „Sie schaffen den Handlungsspielraum vor Ort, um Infrastruktur zu erhalten sowie Daseinsvorsorge und neue Investitionen zu ermöglichen.“
Wirtschaftliches Wachstum stärkt auch die Entwicklung der Kommunen
Die vorhandenen Gewerbeflächen in Langenhorn sind weitgehend ausgeschöpft, das Gewerbegebiet Mönkebüll ist vollständig belegt. „Langenhorn braucht für seine weitere wirtschaftliche Entwicklung beides: das Wachstum der ansässigen Unternehmen und Neuansiedlungen von außerhalb“, betont Hüppauff. „Allein auf Erweiterungen bestehender Betriebe oder Verlagerungen aus Nachbargemeinden zu setzen, greift für die weitere wirtschaftliche Entwicklung zu kurz.“
Das gelte zugleich grundsätzlich für den ländlichen Raum. Neue Unternehmensansiedlungen könnten zusätzliche Arbeitsplätze, Nachfrage nach Wohnraum und neue kommunale Einnahmen schaffen. „Wirtschaftliche Entwicklung wirkt weit über das einzelne Unternehmen hinaus“, so Hüppauff. „Sie stärkt die Voraussetzungen für Wohnungsbau, Nahversorgung, Infrastruktur und öffentliche Angebote und kann damit einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Entwicklung unserer Gemeinden leisten.“
Sachlich prüfen – strategische Chance nutzen
Fragen zu Landschaftsbild, Flächenverbrauch, Energiebedarf, Schall, Wasser, Verkehr sowie zu wirtschaftlichen, fiskalischen und vertraglichen Aspekten müssten im weiteren Verfahren sorgfältig geprüft werden. „Die offenen Fragen sind ernst zu nehmen und gehören sauber geprüft. Genau dafür ist das weitere Verfahren da“, so Hüppauff.
„Kritik und Fragen sind legitim“, ergänzt Stuck. „Was einer sachlichen Diskussion nicht hilft, sind Übertreibungen oder unzutreffende Darstellungen, die ein Vorhaben größer oder problematischer erscheinen lassen, als es nach dem jeweiligen Planungsstand und den geltenden technischen und rechtlichen Vorgaben überhaupt sein könnte.“
Zugleich gehe es um eine strategische Perspektive für die gesamte Region. „Wir stehen möglicherweise vor einer ähnlichen Weichenstellung wie beim Ausbau der Windenergie vor 15 oder 20 Jahren“, sagt Hüppauff. „Erneuerbare Energien haben in Nordfriesland neue Wertschöpfung geschaffen – für Unternehmen, Kommunen und viele beteiligte Bürgerinnen und Bürger. Rechenzentren können diese Entwicklung in eine nächste Phase führen.“
Stuck fasst zusammen: „Wir reden über eine besondere wirtschaftliche Zukunftsperspektive für Nordfriesland. Langenhorn kann einer der Standorte sein, an denen etwas Neues entsteht.“ Voraussetzung sei, dass die unterschiedlichen fachlichen, planerischen, ökologischen und wirtschaftlichen Belange sorgfältig geprüft und gegeneinander abgewogen würden.
V. i. S. d. P.: Matthias Hüppauff, Geschäftsführer WFG Nordfriesland, und Dr. Jerome Stuck,
Geschäftsführer EG.NF GmbH
Foto: WFD Nordfriesland – Personen im Bild (v. l. n. r.): Jerome Stuck (Geschäftsführer, EG.NF), Matthias Hüppauff (Geschäftsführer, WFG NF)



