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Nordfriesland: Das Projekt DrachenMut startet durch

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(CIS-intern) – Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft, Kinder und Jugendliche zu stärken und sie vor Gewalt zu schützen. „Das Angebot DrachenMut des Kinderschutz-Zentrums Westküste im Diakonischen Werk Husum wird dazu entscheidend beitragen“, betonte Landrat Florian Lorenzen während der Projektvorstellung im Rahmen eines Pressegesprächs am 17. November. Der nordfriesische Kreistag hatte in seiner Sitzung am 12. November entschieden, DrachenMut Mittel für zwei weitere Jahre zur Verfügung zu stellen. Der Kreis Nordfriesland finanziert somit eine halbe Projektstelle, die anderen 50 Prozent trägt der Kreis Dithmarschen.

Mit DrachenMut#kindernichtalleinelassen, wie das Projekt offiziell heißt, gibt es in Nordfriesland sowie in Dithmarschen erstmals ein eigenständiges und proaktives Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche, die zuhause Zeugen von Gewalt werden. Mit Notfall-Kontaktkarten für Jungen und Mädchen sowie Informationsmaterialien für Eltern und Multiplikatoren startet das Kinderschutz-Zentrum Westküste nun mit der Öffentlichkeitsarbeit für das Angebot.

„In Haushalten, in denen es zu Gewalt in Paarbeziehungen kommt, leben oft auch Kinder. Sie sind damit ebenso Opfer der körperlichen, psychischen oder verbalen Gewalt, die meist ihre Mütter, vereinzelt aber auch ihre Väter, durch den Partner erleiden“, erklärte Landrat Florian Lorenzen. „Ihnen durch die Förderung des Projekts zu helfen, war für uns deshalb eine Herzensangelegenheit.“

„Ein vergleichbares Projekt gibt es in Schleswig-Holstein bisher nur in Flensburg“, berichtete Ursula Funk, Leiterin des Kinderschutz-Zentrums Westküste. Die Grundlage für DrachenMut: die Istanbul-Konvention, ein völkerrechtlicher Vertrag, mit dessen Unterzeichnung sich die Vertragsstaaten unter anderem dazu verpflichtet haben, Hilfsmaßnahmen für Kinder vorzuhalten, die häusliche Gewalt miterleben.

Jährlich entfallen im Kinderschutz-Zentrum Westküste mit Sitz in Husum, Niebüll, Heide und Marne 15 Prozent der insgesamt über 400 Beratungsanmeldungen auf Kinder und Jugendliche, die Zeugen häuslicher Gewalt sind. Viele Betroffene sind zwischen sechs und zwölf Jahren. „Hinzu kommen die vielen Fälle, in denen erst im Laufe der Gespräche herauskommt, dass die Jungen und Mädchen Streit und Gewalt zwischen ihren Eltern kennen. Das Dunkelfeld ist um ein vielfaches höher und der Bedarf eines verstärkten Beratungsangebots und breiter Öffentlichkeitsarbeit deshalb sehr groß“, betonte Ursula Funk.

„Betroffene Kinder leiden unter einer enormen psychischen Belastung. 95 Prozent glauben, sie seien schuld daran, dass ihre Eltern streiten oder ihre Mutter bedroht, geschlagen oder verbal erniedrigt wird“, berichtete Peter Raben, Leiter des Kreisjugendamtes. „Hinzu kommt der Geheimhaltungsdruck, denn oftmals wird ihnen verboten, anderen davon zu erzählen“, ergänzt Raben. Die innere Anspannung der Kinder und Jugendlichen zeige sich im Alltag auf unterschiedliche Weise: aggressive Auffälligkeiten, depressiver Rückzug, Traumareaktionen wie Schlafstörungen oder Selbstverletzungen gehören dazu.

Das Ziel von DrachenMut: Jungen und Mädchen von ihren Schuldgefühlen zu entlasten, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und sie dazu zu ermutigen, sich der Polizei oder anderen Menschen anzuvertrauen. Mit Jugendlichen kann zudem erarbeitet werden, wie man gegenüber den Eltern ein klares „Stopp“ und die Bitte, sich Hilfe zu holen, kommuniziert. Auf diesem Weg setzt das Kinderschutz-Zentrum Westküste unter anderem auf Einzel- und Gruppenberatungen für Kinder und Jugendliche, Einzel- oder Familiengespräche mit Eltern sowie Informations- und Fortbildungsveranstaltungen für Multiplikatoren. Darüber hinaus betreibt es Aufklärungsarbeit zu Auswirkungen häuslicher Gewalt und vermittelt Betroffenen Hilfsangebote.

„Mit Tätergruppen oder Frauenberatungsstellen gibt es beispielsweise bereits Angebote für Erwachsene, die Gewalt ausüben oder erfahren. Wir wollen das Leid der Kinder mit unserem Projekt jetzt sichtbar machen“, erklärte Ursula Funk. Für die Leiterin des Beratungszentrums dürfen die Kleinsten nicht aus dem Blick geraten. Ihr Wunsch für DrachenMut war daher eine proaktive Kontaktaufnahme zu Betroffenen über Bezugspersonen, zuständige Jugendämter oder andere Einrichtungen.

DrachenMut entstand deshalb in Kooperation mit den Frauenberatungsstellen in Dithmarschen und Nordfriesland. Darüber hinaus setzte das Kinderschutz-Zentrum Westküste von Anfang an auf eine intensive Zusammenarbeit mit der Polizei und den Jugendämtern der Kreise Nordfriesland und Dithmarschen. „Es ist uns gelungen, ein abgestimmtes Verfahren zwischen den beteiligten Stellen beim Thema häusliche Gewalt zu entwickeln“, berichtete Ursula Funk. So wird die Polizei künftig bei Einsätzen direkt vor Ort auf das Projekt hinweisen und auch die Frauenberatungsstellen und Jugendämter informieren über das Hilfsangebot in ihrem Kontakt mit den Familien.

Doch nicht nur hier sollen die Informationsmaterialien künftig eingesetzt werden. Das Kinderschutz-Zentrum Westküste wird sie auch Schulen, Kindergärten, Jugendzentren und Schulsozialarbeitern zur Verfügung stellen. So sollen betroffene Kinder und Eltern über möglichst viele Multiplikatoren auf das Angebot aufmerksam und das Dunkelfeld immer kleiner werden.

„Innerhalb der Präventionsarbeit zum Thema häusliche Gewalt ist es notwendig, Kinder und Jugendliche so gut wie möglich zu stärken. So soll verhindert werden, dass sie sich ihrerseits später in Paarbeziehungen begeben, in denen sich Erlebtes wiederholt. Stattdessen sollen sie für ihre Kinder versorgende und schutzgewährende Elternteile sein. Angebote wie DrachenMut sind deshalb enorm wichtig für unsere Gesellschaft“, hielt Landrat Florian Lorenzen fest. Gemeinsam mit dem Landrat des Kreises Dithmarschen, Stefan Mohrdieck, hat er die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.

Foto: Kreis Nordfriesland / Gemeinsame Vorstellung des Projekts DrachenMut: (v. l.) Daniel Thomsen, Fachbereichsleiter Jugend, Familie und Bildung des Kreises Nordfriesland, Kreisjugendamtsleiter Peter Raben, Landrat Florian Lorenzen sowie Inka Kulpe, Ursula Funk und Antje Fredrich vom Kinderschutz-Zentrum Westküste.

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