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Geflüchtete aus Ukraine werden demnächst vom Jobcenter Nordfriesland betreut

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(CIS-intern) – Rund 1.100 aus der Ukraine geflüchtete Menschen hat die Ausländerbehörde des Kreises Nordfriesland bislang registriert. Etwa 570 von ihnen sind im erwerbsfähigen Alter. Ab dem 1. Juni wird das Jobcenter NF versuchen, sie in Arbeit zu vermitteln.

»Das stellt eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten dar. Trotzdem hoffen wir sehr, dass es uns gelingen wird, bald erste Vermittlungserfolge zu erzielen. In vielen Fällen müssen aber sicherlich zunächst Sprachkurse absolviert werden«, erklärt Landrat Florian Lorenzen.

Foto: pixabay.com / jorono

Im März eröffnete die Kreisverwaltung in der Husumer Messehalle eine Unterkunft zur Erstaufnahme, um Geflüchtete aus der Ukraine zunächst provisorisch unterzubringen. Zurzeit leben dort noch rund 50 Menschen, alle anderen sind privat im Kreisgebiet untergekommen oder haben Wohnungen bezogen. Auch für die letzten 50 Personen wird bis Ende Mai Wohnraum gefunden sein. Ab dem ersten Juni ruht der Betrieb in der Messehalle. Sollten wieder mehr Geflüchtete aus der Ukraine ankommen, ist eine Reaktivierung möglich. Doch bis dahin werden neu eintreffende Ukrainer sofort den Ämtern im Kreisgebiet zur Unterbringung zugewiesen.

Finanzielle Unterstützung ändert sich ab Juni

Auf Beschluss der Bundesregierung erhielten sie zunächst die gleiche finanzielle Unterstützung wie Asylbewerber, also etwa 90 Prozent des Arbeitslosengeldes II (ALG II). Ab dem 1. Juni haben sie Anspruch auf das vollständige ALG II und auf die gleichen Vermittlungsleistungen wie deutsche Langzeitarbeitslose.

Nach dem aktuellen Gesetz ist für den Wechsel kein Antrag erforderlich. Alle Betroffenen haben bereits ein Informationsschreiben über den Wechsel auf Deutsch und Ukrainisch erhalten.

Insbesondere für das Jobcenter des Kreises Nordfriesland bedeutet dieser Wechsel eine große Herausforderung, da alle Fälle sehr kurzfristig umgestellt werden müssen. Die Leistungsbewilligung und die Arbeitsvermittlung im Jobcenter erfolgt durch die sieben Sozialzentren im Kreisgebiet. »Wir brauchen in jedem Fall den Aufenthaltstitel oder die sogenannte Fiktionsbescheinigung, die den Betroffenen in der Messehalle ausgehändigt wurde«, berichtet Kim Jessen-Reimers, der Leiter des Sozialzentrums Mittleres Nordfriesland in Breklum. Daneben benötigen die Sozialzentren Angaben zur Kontonummer und Krankenkasse. Außerdem müssen die Menschen bereits im Ausländerzentralregister eingetragen sein.

»Für die Betroffenen kommt es in erster Linie darauf an, dass sie am 1. Juni Geld auf dem Konto haben. Und das bereiten wir verwaltungsintern vor«, erklärt Landrat Lorenzen.

Wer ALG II erhält, hat auch einen Anspruch auf einen Krankenversicherungsschutz. Die Geflüchteten müssen sich also für eine Krankenkasse entscheiden. »So erhalten alle Geflüchteten durchgehend Leistungen, und ihr Krankenversicherungsschutz bleibt durchgehend gewährleistet«, betont Kim Jessen-Reimers.

Eine ganze Reihe Menschen aus Nordfriesland hat sich bereit erklärt, Ukrainer ehrenamtlich zu unterstützen. »Ich bin diesen freiwillig Engagierten überaus dankbar dafür, dass sie einzelne Menschen oder Familien persönlich betreuen. Man kann sich kaum vorstellen, wie wichtig diese liebevolle Zuwendung für diejenigen ist, die ihre Heimat Hals über Kopf verlassen mussten und seitdem eine schlechte Nachricht nach der anderen von dort erhalten«, betont Florian Lorenzen.

Er und Jessen-Reimers hoffen, dass diese Betreuer ihre Schützlinge auch beim ersten Kontakt mit den Sozialzentren begleiten. »In jedem unserer sieben Sozialzentren stehen nach Terminvereinbarung Dolmetscher zur Verfügung«, sagt Lars Treptow aus der zentralen Jobcenter-Verwaltung des Kreises.

Die weitaus meisten Geflüchteten sind Frauen und Kinder. Kim Jessen-Reimers hält es für denkbar, dass die eine oder andere gesuchte Fachkraft dabei ist. »Aber das wissen wir jetzt noch nicht. Wir müssen uns nun erst einmal einen Überblick verschaffen, Deutschkurse organisieren und viele Einzelgespräche führen«, berichtet er. Welche Qualifikation bringen die Geflüchteten mit? Sind ihre Berufsabschlüsse gleichwertig mit ihren Pendants in Deutschland? Wie wird die Kinderbetreuung geregelt? Gibt es gesundheitliche Vermittlungshemmnisse? Diese und viele weitere Fragen klären die Jobcenter in der nächsten Zeit mit den Betroffenen ab.

Unterstützung für Senioren aus der Ukraine

Auch Ukrainer, die älter als 65 Jahre sind, sollen sich in ihrem Sozialzentrum melden. Während Jüngere das ALG II erhalten, können die Älteren Sozialhilfe beantragen. Beide staatliche Leistungen liegen auf gleichem Niveau, doch wer die Altersgrenze erreicht hat, braucht dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Ukrainische Kinder in nordfriesischen Schulen

Die Entwicklung der Zahlen in den Schulen ist bislang landesweit deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Aktuell sind von den 4.285 ukrainischen Schülerinnen und Schülern in Schleswig-Holstein 336 Kinder zwischen sechs und 18 Jahren in Nordfriesland gemeldet, davon 305 Kinder zwischen sechs und 16 Jahren. In den Schulen angekommen sind laut dem Polyteia-Dashboard des Landes 241 Kinder und Jugendliche, davon jeweils rund 40 Schülerinnen und Schüler auf Sylt und in Husum/Mildstedt sowie 30 in Bredstedt (Stand 17. Mai). An den Beruflichen Schulen sind derzeit elf Jugendliche gemeldet.

»Betonen möchte ich, dass alle Schulen, egal ob Grundschule, Gemeinschaftsschule ohne oder mit Oberstufe, Gymnasien und Berufliche Schulen, hier an einem Strang ziehen, um diese Aufgabe gemeinsam zu bewältigen«, so die Schulrätin Britta Lenz.

Die Grundschülerinnen und Grundschüler bleiben in den wohnortnahen Schulen und werden dort von den Lehrkräften und weiteren Unterstützungskräften beschult. Material gibt es mittlerweile in vielfältiger Form – auch online zum Herunterladen. Die Sekundarstufenschülerinnen und -schüler sind in DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) untergebracht und bekommen hier Deutschunterricht.

Von den mittlerweile 82 in Schleswig-Holstein eingestellten ukrainischen Lehrkräften konnte keine einzige in Nordfriesland begrüßt werden. Der größte Teil der eingestellten ukrainischen Unterstützungskräfte sind in den Kreisen Pinneberg, Segeberg, Stormarn, Herzogtum Lauenburg und in der Stadt Lübeck eingestellt. Dort befindet sich auch der größte Anteil der ukrainischen Schülerinnen und Schüler.

Für alle Kinder und Jugendlichen ist die Schule in diesen schwierigen Zeiten von besonderer Bedeutung, denn sie bietet verlässliche Strukturen, ein sicheres Umfeld und die Möglichkeit, sich in einem geschützten Raum mit Gleichaltrigen und mit den Lehrkräften als Vertrauenspersonen auszutauschen. Das hat auch die Kultusministerkonferenz unter Leitung der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien deutlich bekräftigt.

 

Ukraine-Flüchtlinge in der Messehalle wurden ehrenamtlich medizinisch versorgt

Seit Anfang März wurde die medizinische Grundversorgung der Ukraine-Flüchtlinge in der Husumer Messehalle auf ehrenamtlicher Basis gesichert. Dort engagierten sich Ärzte, Pflegekräfte und medizinische Fachangestellte aus dem Klinikum Nordfriesland sowie aus niedergelassenen Arztpraxen.

Eine entsprechende Bitte hatte die untere Katastrophenschutzbehörde des Kreises an das Klinikum herangetragen. Es erklärte sich sofort zur Unterstützung bereit.

Landrat Florian Lorenzen ist allen beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Klinikums Nordfriesland und der Arztpraxen sehr dankbar. »Sie haben sich unbürokratisch, oft spontan und häufig sehr umfangreich um die medizinische Versorgung der ukrainischen Kriegsflüchtlinge in der Messehalle gekümmert. Das war ein vorbildlicher humanitärer Einsatz, der in dieser Intensität keineswegs selbstverständlich ist«, betont der Verwaltungschef.

Vor Ort wurde eine kleine provisorische Praxis eingerichtet, die jeweils montags, mittwochs und freitags von 17 Uhr bis 19 Uhr betrieben wurde.

Amer Zakhour, Oberarzt der Kardiologie im Klinikum, war federführend mit den organisatorischen und ärztlichen Belangen befasst. Er war fast täglich vor Ort. Jana Paulsen und zwölf weitere, fachlich sehr versierte Helferinnen aus der Krankenpflege und anderen pflegerischen Berufen unterstützten die Ärzte nach Kräften.

Sechzehn Ärzte, davon acht aus dem Klinikum, sechs aus niedergelassenen Praxen sowie zwei ehemalige Klinikärzte, die bereits im Ruhestand sind, deckten die medizinische Versorgung ehrenamtlich ab. Zum Team gehörten auch zwei Kinderärzte und vier ärztliche Dolmetscher, zwei von ihnen stammten aus dem Klinikum. Zwei weitere meldeten sich über Mundpropaganda im Klinikum. Sie überbrückten bei den Behandlungen etwaige Sprachbarrieren.

Die Koordination der »Dienstpläne« übernahm Kirsten Lorenzen aus dem Vorzimmer der Geschäftsführung des Klinikums.

Insgesamt wurden mehr als 200 Stunden ehrenamtliche Hilfe geleistet. Das benötige Material und die Ausstattungsgegenstände stellte das Klinikum unentgeltlich zur Verfügung.

Bei den Behandlungen gab es ein breites Spektrum an Erkrankungen und Patienten – von akut bis chronisch krank sowie vom Säugling bis hin zu Flüchtlingen hohen Alters. Therapiert wurden zum Beispiel Atemwegserkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Blutzucker-Erkrankungen und muskuläre Schmerzen. Auch der seelische Stress und Angstgefühle beziehungsweise Traumata riefen viele Symptome und psychosomatische Beschwerden hervor. Glücklicherweise mussten keine körperlichen kriegsbedingten Verletzungen behandelt werden.

Alle Helferinnen und Helfer, die die medizinische Versorgung in der Messehalle ermöglicht haben, waren sehr von der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und der hohen Einsatzbereitschaft aller Helfer vor Ort beeindruckt.

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